Sony erklärt den Ohrenschnitt
Wenn Sie schon einmal eine heimatlose Katze mit einem leicht gekürzten Ohr gesehen haben, dann sind Sie vermutlich einer kastrierten Streunerkatze begegnet. Auch ich, Sony, trage diesen besonderen Ohrenschnitt – und ich möchte Ihnen erzählen, warum er so wichtig ist. Auf den ersten Blick wirkt es vielleicht ungewöhnlich oder gar traurig, wenn ein Stück vom Ohr fehlt. Doch in Wahrheit ist es ein stilles Versprechen: Diese Katze muss kein weiteres Leid durch unkontrollierte Fortpflanzung ertragen.
Mein Ohrenschnitt – meine Geschichte
Ich bin im Schrebergarten in Schlieren aufgewachsen, zusammen mit vielen anderen Katzen, die niemandem „gehören“ und doch umsorgt werden. Im Winter 2024/25 kam das Team von ProTier und führte dort eine grosse Kastrationsaktion durch. Über 25 Katzen konnten damals behandelt werden – auch ich. Damit jeder sofort erkennt, dass ich kastriert bin, bekam ich den typischen Ohrenschnitt. Er ist schmerzfrei, wird während der Narkose durchgeführt und verheilt problemlos.
Für uns Katzen ist das eine Erleichterung: keine ständige Trächtigkeit mehr für die Kätzinnen, kein endloser Kampf um Revier und Partner für die Kater. Der Schnitt im Ohr ist klein, aber er steht für ein grosses Stück Freiheit und Sicherheit.

Warum der Ohrenschnitt so wichtig ist
In der Schweiz gibt es nach Schätzungen über 100’000 heimatlose Katzen. Viele von ihnen leben in Schrebergärten, auf Bauernhöfen oder Industriearealen. Nicht alle können jeden Tag gefüttert werden, manche kämpfen ständig mit Hunger und Krankheiten. Wenn sich diese Katzen unkontrolliert vermehren, verschärft sich das Leid von Jahr zu Jahr.
Hier hilft die Kastration – sie ist die wirksamste und nachhaltigste Lösung. Doch wie erkennt man, ob eine Streunerkatze bereits kastriert ist? Genau dafür gibt es den Ohrenschnitt. Er verhindert, dass eine Katze erneut eingefangen und unnötig operiert wird. Tierärzte, Tierschützer:innen und auch Privatpersonen wissen sofort: Dieses Tier wurde bereits behandelt.
Mehr als nur ein Schnitt – ein Schutzsymbol
Manchmal höre ich Menschen sagen, dass der Ohrenschnitt mein Aussehen „ruiniere“. Doch glauben Sie mir: Für uns Katzen ist es nicht die Schönheit, die zählt, sondern das Überleben. Der kleine Einschnitt macht mein Leben leichter. Er erspart mir den Stress einer erneuten Fangaktion, eine überflüssige Narkose und eine weitere Operation.
Für viele meiner Freunde aus der Kolonie war der Ohrenschnitt sogar ein Rettungszeichen. Er zeigt, dass jemand uns gesehen hat, dass wir nicht vergessen sind und dass unser Leben zählt.
Ein Chip als Alternative muss ebenfalls unter die Haut gestochen werden und ist von aussen nicht sichtbar. Menschennähe ist ein grosser Stress für mich und ich möchte ungern noch einmal eingefangen werden. Und auch eine Ohrenmarke ist nichts für mich, reisst diese doch zu gern ab und fügt mir Schmerzen zu.
Was Sie tun können
Vielleicht begegnen Sie selbst einmal einer Katze mit einem Ohrenschnitt. Dann wissen Sie: Hier war der Tierschutz am Werk. Jede dieser Katzen erzählt die Geschichte einer gelungenen Kastration – und einer Chance auf ein besseres Leben.
Die Stiftung ProTier setzt sich seit über 40 Jahren dafür ein, dass Streunerkatzen wie ich eine Zukunft ohne ständiges Leid haben. Mit Aufklärung, gezielten Kastrationsaktionen und Spendenkampagnen arbeitet ProTier daran, die Situation langfristig zu verbessern. Denn jeder Ohrenschnitt bedeutet weniger Hunger, weniger Krankheit und mehr Hoffnung.

