Sony berichtet: Mein Leben im Schrebergarten
Viele der streunenden Katzen in der Schweiz leben im Verborgenen. Sie schleichen durch Gärten, verstecken sich unter Hütten und suchen jeden Tag nach etwas Futter und einem sicheren Schlafplatz. Die meisten Menschen sehen sie kaum – und doch sind sie da. Kater Sony ist eine von ihnen: eine heimatlose Katze, die in einem Schrebergarten ihr Zuhause gefunden hat.
Ein kleines Leben im Verborgenen
Zwischen Hütten, Büschen und schmalen Wegen habe ich mein Zuhause gefunden. Mein Fell ist weiss mit ein paar roten Punkten, und mein Schwanz ist kurz – so erkennt man mich leicht. Ich bin zwar scheu, aber neugierig. Die Pächterinnen und Pächter hier im Schrebergarten kennen mich mittlerweile und ganz wenige Auserwählte dürfen mich sogar kurz streicheln. Für eine heimatlose Katze ist das keine Selbstverständlichkeit.
Doch auch wenn ich manchmal Nähe zulasse: Ich bin und bleibe ein Streuner. Ich lebe draussen, im Sommer wie im Winter. Für mich ist der Schrebergarten ein sicherer Ort – zumindest sicherer als die Strassen, auf denen viele andere Katzen wie ich um ihr Leben kämpfen. Zuletzt wurde ich genau dort angefahren und hatte höllische Schmerzen. Das möchte ich kein zweites Mal erleben.
Schlafplätze und kleine Abenteuer

Meine Schlafplätze suche ich mir dort, wo es trocken und windgeschützt ist. Oft verkrieche ich mich unter eine Hütte oder in einen Holzstapel. Wenn die Sonne scheint, liege ich gerne im Gras und wärme mein Fell. Dann kann ich die Vögel beobachten oder die Menschen, die ihre Beete pflegen.
Manchmal sehe ich auch meine Freunde aus der Kolonie. Wir sind mehrere Katzen hier, jede mit ihrem eigenen Revier, doch wir kennen einander. Das gibt mir das Gefühl, nicht ganz allein zu sein. Mit manchen teile ich sogar mein Revier: Sashimi und Salerno kommen regelmässig mit mir auf die Pirsch.
Auf Futtersuche - ein täglicher Kampf
Jeden Tag suche ich nach Futter. Die Pächter stellen oft Schalen hin, und es gibt Menschen, die uns mit grossem Herzen unterstützen. Die Mitarbeiterinnen von ProTier hatten zwar gesagt, dass ich Katzenfutter brauche. Oft erhalte ich aber auch andere Dinge wie Schnitzel, Fisch, Goulasch und andere Dinge. Mich stört das nicht, denn ich bin froh, dass ich etwas zu essen kriege – auch wenn ich vielleicht hie und da Bauchschmerzen davon habe. Doch nicht immer reicht das Essen aus, denn manchmal hat es in den Futterschalen nichts mehr für mich. Die anderen Katzen waren dann schneller oder die Gartenpächter sind in den Ferien. Hunger ist für uns heimatlose Katzen Alltag. Anders als Hauskatzen, die regelmässig gefüttert werden, müssen wir draussen ständig Energie investieren, um satt zu werden.
In der Schweiz leben nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen über 100'000 heimatlose Katzen. Manche reden sogar von 300’000. Sie alle sind – wie ich – auf das Wohlwollen von Menschen angewiesen. Ohne Hilfe leiden viele an Mangelernährung, Krankheiten oder Verletzungen.

Warum Kastration Leben rettet
Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass ich einen kleinen Schnitt im Ohr habe. Dieser sogenannte Ohrenschnitt zeigt, dass ich kastriert bin. Er ist für mich ein Schutz: Niemand wird versuchen, mich erneut einzufangen oder zu operieren. Und er ist ein Zeichen dafür, dass ich nicht noch mehr Katzen in diese unsichere Welt setze. Den Ohrenschnitt habe ich erhalten, als ProTier mich eingefangen hat. Das fand ich nicht wirklich lustig. Aber ich war dann auch froh, wieder zurück zu sein im Schrebergarten.
Ich verstehe auch, dass sich nur durch Kastration das Leid von uns Streunerkatzen nachhaltig eindämmen lässt. Ein einziges Katzenpaar kann in wenigen Jahren Dutzende Nachkommen hervorbringen. Viele davon landen wieder auf der Strasse – ein Kreislauf von Hunger und Leid. Indem Organisationen wie ProTier Kastrationen fördern , verhindern sie unzählige Schicksale wie meines.
Was Heimat für eine Streunerkatze bedeutet
Vielleicht fragen Sie sich, ob wir Streuner überhaupt glücklich sein können. Meine Heimat ist nicht perfekt. Ich habe kein Sofa, keine Kuscheldecke, kein regelmässiges Futter. Doch im Schrebergarten habe ich gelernt, mich anzupassen. Ich kenne die Geräusche, die Gerüche, die Menschen hier. Das ist meine Welt – und mit der Hilfe von Tierschutzorganisationen ist sie ein kleines Stück sicherer geworden.
Für uns heimatlose Katzen zählt jeder Einsatz, jede helfende Hand. Ob es Freiwillige sind, die uns fangen, Tierärztinnen, die uns behandeln, oder Spender:innen, die all das ermöglichen: Gemeinsam schenken sie uns Hoffnung.
Hoffnung für heimatlose Katzen

Sonys Geschichte ist nur eine von vielen. In der Schweiz leben zehntausende heimatlose Katzen – unkastriert, verletzt, krank, unsichtbar für die meisten Menschen. ProTier setzt sich seit über 40 Jahren mit anderen Organisationen wie NetAP für die Kastration solcher Tiere ein. Mit unserer neuen Kampagne «Hoffnung für heimatlose Katzen» gehen wir im Jahr 2026 einen Schritt weiter. Unser Ziel:
✔ Aufbau eines Netzwerks engagierter Organisationen
✔ Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit
✔ Bereitstellung von Kastrationsgutscheinen für Landwirte
✔ Informationskampagnen für Schrebergärten und Industrieareale
✔ Ausbau unseres Fonds «Heimatlose Katzen» für nachhaltige Hilfe
Benötigen Sie Hilfe, um heimatlose Katzen zu versorgen? Dank unserer Übersicht finden Sie Tierschutzorganisation in Ihrer Nähe, welche Ihnen mit Ratschlägen, Equipment oder sogar Freiwilligen, welche Katzen einfangen und medizinisch versorgen, weiterhelfen können.

