Taubentötung am Bahnhof Stadelhofen - Was ist passiert?
Donnerstagvormittag, 9. April 2026.
Getrieben von Hunger suche ich nach Futter – wie so oft in der Stadt. Ein netter Mann streut Futter, ich gehe hin, plötzlich schliesst sich ein Gitter um mich und meine Freunde. Panik. Dunkelheit. Kein entkommen. Hände greifen nach mir. Dann wird alles schwarz.
Was ist passiert?
Die Tauben wurden mithilfe von Futter über eine grosse Fangvorrichtung angelockt und in der Falle eingeschlossen. Augenzeugen berichten, dass die Tiere dabei in Panik gerieten und verzweifelt versuchten, sich zu befreien und immer wieder gegen das Gitter geflogen sind. Nach dem Einfangen wurden sie laut Berichten zunächst mit einem Betäubungsschlag ausgenockt. Anschliessend erfolgte die Tötung durch Genickbruch. Die Tiere wurden danach in Abfallsäcken abtransportiert.
Rechtliche Einordnung & Ursprung der Stadttauben
Seit dem 1. Januar 2023 gelten Stadttauben im Kanton Zürich rechtlich als Wildtiere. Dieses Gesetz ermöglicht es unter bestimmten Bedingungen, Tauben im Rahmen von sogenannten Management-Massnahmen auch zu töten.
Gleichzeitig ist wichtig zu verstehen, dass Stadttauben keine Wildtiere sind. Sie stammen von domestizierten Haustauben ab, die vom Menschen gezüchtet, gehalten und später verwildert wurden. Dadurch leben sie heute ortsgebunden in Städten und sind auf diese Lebensräume angewiesen – ein Ausweichen in andere Gebiete ist für sie nicht möglich. Die heutige Stadttaubenpopulation ist somit eine direkte Folge menschlichen Handelns. Daraus ergibt sich eine zentrale Verantwortung von uns Menschen im Umgang mit Stadttauben.
Die Begründung der Stadt Zürich
Die Stadt Zürich begründet solche Einsätze mit der Regulierung des Taubenbestands. Hintergrund sind unter anderem die hohe Anzahl an Tauben im urbanen Raum sowie die Belastung durch Kot, der Schäden an Gebäuden verursachen kann.
Zudem gilt im Kanton Zürich ein Fütterungsverbot für Wildtiere, und Verstösse können gebüsst werden. Ziel solcher Massnahmen sei es laut Behörden, die Population auf einem „gesunden Niveau“ zu halten.
Kritik aus Tierschutzsicht
Die Stiftung ProTier lehnt solche Einsätze klar ab. Wir sind gegen das Töten von Stadttauben, da das Einfangen und Töten erhebliches Tierleid verursacht und ethisch nicht vertretbar ist. Besonders problematisch ist zudem, dass diese Massnahmen keine langfristige Lösung darstellen, da freie Brut- und Nistplätze schnell wieder von neuen Tauben besetzt werden.
Welche Alternativen es gäbe
Als nachhaltigere und tierschonendere Alternative gilt beispielsweise das Augsburger Stadttaubenkonzept. Das Konzept setzt auf betreute Schläge an bestehenden Brutorten, während wilde Nistplätze verschlossen werden, um die Tauben gezielt in die Anlagen zu lenken. Die dort gelegten Eier werden durch Attrappen ersetzt, wodurch sich die Population langfristig stabilisieren lässt. So wird die Fortpflanzung reduziert, ohne die Tiere zu töten. Ergänzend sorgen Fütterung, Reinigung, medizinische Betreuung sowie Aufklärung der Bevölkerung für ein funktionierendes Gesamtsystem.
In der Stadt Bern wird die Taubenpopulation bereits nach einem ähnlichen Ansatz reguliert: mit acht betreuten Taubenschlägen, kontrollierter Fütterung, regelmässigen Eierkontrollen, einer jährlichen Taubenzählung sowie weiteren Massnahmen wie Impfungen und der Sterilisation männlicher Stadttauben.
Solche Konzepte gelten als nachhaltige und tierschutzgerechte Alternative zur Bestandsreduktion durch Tötung – und vermeiden unnötige Kosten sowie Tierleid durch Stress, Hunger und Leidensdruck.
Was viele immer noch glauben, jedoch nicht hilft: Weniger Fütterung sei eine geeignete Massnahme, um das Wachstum der Population zu begrenzen. Allein ist das jedoch nicht wirksam. Stadttauben leiden unter einem durch den Menschen angezüchteten Brutzwang – weniger Futter führt deshalb vor allem zu mehr Hunger, aber nicht automatisch zu weniger Eiern.

Wie kann man als Privatperson helfen?
Als Privatperson gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich für einen tierfreundlicheren Umgang mit Stadttauben einzusetzen und Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen:
- Teile diesen Blogbeitrag oder unseren Social-Media-Post, damit mehr Menschen davon erfahren und das Thema mehr Sichtbarkeit bekommt.
- Sprich mit deinem Umfeld über Stadttauben und kläre über ihre Situation auf, um Missverständnisse abzubauen und ein differenzierteres Bild zu schaffen.
- Unterstütze Organisationen, die sich für Stadttauben und tierfreundliche Lösungen einsetzen – sei es durch Aufmerksamkeit, Engagement oder Spenden, wie beispielsweise Stadttauben Schweiz.
- Fordere bei der Stadt Zürich humane und nachhaltige Lösungen im Umgang mit Stadttauben ein. Öffentlicher Druck kann dazu beitragen, langfristig tierfreundlichere Konzepte zu fördern.
