Ostern ohne Eier: Eine Entscheidung mit grosser Wirkung
Wenn Ostern näher rückt, stapeln sich in den Schweizer Supermärkten die Eierkartons. Gefärbt, verziert, als unverzichtbarer Bestandteil des beliebten Frühlingsfestes beworben. Dabei steht hinter jedem Ei ein Tier, dessen Leben in der industriellen Produktion meist von Enge, Leistungsdruck und früher Aussonderung geprägt ist - auch in der Schweiz, die sich gern als besonders tierfreundlich versteht.
Leistungsmaschinen
Rund 1.8 Milliarden Eier werden hierzulande jedes Jahr konsumiert, an Ostern kommen zusätzlich mehrere Millionen hinzu. Legehennen sind dafür hochgezüchtet auf maximale Eier-Produktion, ausgelaugt nach kurzer Zeit und ausgesondert, sobald ihre Legeleistung nachlässt. Sie sind dann oft gerade einmal anderthalb Jahre alt.
Doch es geht auch anders, zeigt ein Besuch bei Simone auf dem Lebenshof Sinulay.
Ein zweites Leben
Schon beim Betreten des Lebenshofs fällt auf: Hier herrscht eine Atmosphäre von Ruhe und Sicherheit. Kein Gackern aus Stress, kein hektisches Flattern. Die Hühner bewegen sich frei, scharren im Boden, picken neugierig an Stiefeln und Kamerataschen. Betreiberin Simone lächelt, während ihr ein braunes Huhn dicht folgt. “Hühner sind unglaublich soziale und kluge Tiere”, sagt sie. "Sie erkennen Menschen, bauen Freundschaften untereinander auf und haben ganz eigene Persönlichkeiten."
Simone engagiert sich seit Jahren für Hühnerrettungen innerhalb von sogenannten Ausstallungen. Sie vermittelt regelmässig hunderte Hennen, die aus der Eierindustrie aussortiert wurden, und übernimmt selbst die schwierigsten Fälle. "Einige sind in einem schlechten Zustand, wenn sie hier ankommen", erzählt sie. “Kaum Federn, angepickte Augen. Aber sobald sie Zeit, Platz und Fürsorge bekommen, blühen sie richtig auf.”

Huhn Silvia

Besonders ans Herz gewachsen ist ihr Huhn Silvia. Simone nimmt sie vorsichtig auf den Arm und Silvia bleibt ruhig. “Ihr fehlte ein Auge, als sie kam. Sie kannte nichts ausser dem Stall und war ein Mobbingopfer. Heute kommt sie aktiv zu mir, sucht die Nähe der Menschen und gackert vor sich hin, wenn wir am Ausmisten sind.” Eine Geschichte, die zeigt, wie viel Hühner trotz allem noch zu geben haben.
Beim Beobachten der Tiere wird deutlich: Hier sind keine anonymen «Legehennen». Hier sind Individuen. Jede mit eigener Geschichte, eigenem Charakter. "Wenn Menschen sagen, ein Ei schade niemandem, tut mir das weh”, sagt Simone leise. “Denn jedes Ei steht für ein System, das Tiere auf Leistung reduziert. Die Hennen werden getötet, wenn ihre Produktivität sinkt. Und das Leiden der vielen Güggel darf dabei nicht vergessen werden, denn auch diese erleiden das gleiche Schicksal.”
Mitgefühl statt Gewohnheit
Gerade zu Ostern, dem Fest des neuen Lebens und der Hoffnung, lohnt es sich, Gewohnheiten zu hinterfragen. Ob beim Backen, Kochen oder beim Osterbrunch - natürliche tierleidfreie Alternativen sind längst verfügbar, alltagstauglich und lecker.
Eier ersetzen - so klappt's!
- Kuchen, Muffins, Pancakes: Apfelpüree oder zerdrückte Banane sorgen für Bindung und Saftigkeit. Auch Leinsamen- oder Flohsamenschrot (mit Wasser angerührt) ersetzen Eier zuverlässig. Sojajoghurt oder pflanzlicher Joghurt eignen sich besonders für luftige Teige.
- Aufschlagen & Binden (z. B. für Mousse oder Baiser): Aquafaba, das Kochwasser von Kichererbsen, lässt sich wie Eiweiss aufschlagen - perfekt für Meringue, Mousses oder Macarons.
- Rührei, Omelette: Kichererbsenmehl oder Tofubrösel mit Gewürzen wie Kurkuma und Kala Namak (Schwarzsalz) ergeben eine eiähnliche Textur und Geschmack. Ein tolles neues Produkt ist dabei Lupi von Yellow Sunshine (erhältlich im Coop).
- Spiegelei-Alternativen: Auf pflanzlicher Basis hergestellte Spiegelei-Alternativen aus Tofu, Stärke und pflanzlicher Milch zeigen: Auch klassische Gerichte lassen sich tierfrei neu denken.
- Panieren & Überbacken: Pflanzliche Milch, Mehl-Wasser-Mischungen oder Aquafaba ersetzen Eier problemlos beim Panieren.
- Fürs traditionelle Eiertütschi: Es gibt mittlerweile vegane Schoggieier, die ebenso Freude, Ritual und Genuss ermöglichen. Diese finden Sie bei Hello Vegan und Mr. Vegan im Onlineshop.

