Ein würdevoller Abschied
Der Abschied vom geliebten Haustier ist für viele Halter:innen schwierig. Die Tierkremation Schweiz AG bietet an vier Standorten einen würdigen Rahmen dafür. Ein Besuch am Hauptsitz in Seon zeigt: Es geht um weit mehr als Einäschern.
Wer das Tierkrematorium in Seon betritt, ist zuerst einmal überrascht. Statt Rauch, Hitze und Fabrikhallen-Stimmung empfängt einen ein stilvoll eingerichteter Raum, an den zwei kleine Annahmezimmer anschliessen. Hier findet der erste – und vielleicht wichtigste – Teil der Arbeit im Tierkrematorium statt: der Austausch mit Halter:innen, die ihr Haustier verloren haben. «Was wir tun, tun wir für die Menschen», sagt Esther Sager, die Leiterin Kundenbetreuung.
Als sie vor 23 Jahren hier begonnen habe, seien Menschen, die ihr Tier kremieren wollten, vielerorts schräg angeschaut worden, erzählt Sager. Man gab sein totes Tier in die öffentliche Entsorgung oder begrub es vielleicht im eigenen Garten. Heute ist das Kremieren des Haustiers längst salonfähig – viele Tierarztpraxen etwa würden ihre Kund:innen explizit auf diese Möglichkeit hinweisen, sagt Esther Sager.
An ihren vier Standorten Seon AG, Dübendorf ZH, Füllinsdorf BL und Nyon VD kremiert die Tierkrematorium Schweiz AG vor allem Katzen und Hunde, aber auch immer mehr Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Reptilien. 85 bis 90 Prozent der Tiere holen Mitarbeiter:innen des Tierkrematoriums in Tierarztpraxen ab, einige wenige am Wohnort der Halter:innen. Der Rest, ungefähr jedes achte bis zehnte Tier, wird von den Besitzer:innen ins Krematorium gebracht.

Ein Schritt zur Trauerbewältigung
In einem der Annahmeräume wird als Erstes der Ablauf besprochen. Doch oft finden dort auch wichtige Schritte zur Verarbeitung des Verlusts statt. «Manche Menschen befinden sich in einem Ausnahmezustand, wenn sie hier ankommen», sagt Sager. «Sie sind vor Trauer kaum ansprechbar.» Die Mitarbeiter:innen des Tierkrematoriums nehmen sich deshalb viel Zeit für ihre Kund:innen. Sie hören sich ihre Geschichten an, spenden ihnen Trost – und geben ihnen Sicherheit.
Vertrauen, erzählt Sager, sei die Grundwährung bei der Arbeit am Tierkrematorium. «Die Menschen müssen sicher sein, dass ihr Tier bei uns in guten Händen ist.» Entscheidend ist die Garantie, dass die Halter:innen auch wirklich die Asche ihres Tiers bekommen. Um das zu gewährleisten, hat das Tierkrematorium ein ausgeklügeltes System entwickelt. Wie es funktioniert, erklärt Esther Sager auf einem Rundgang. Sie macht ein paar Schritte durch den Empfangsraum und öffnet eine Tür, die in die Kremationshalle führt.
Drei Öfen unterschiedlicher Grösse sind hier in Betrieb. Esther Sager bleibt vor einem stehen und zeigt auf einige weisse Kremationssäcke. In jedem befindet sich ein Tier. Und an jedem ein Begleitzettel mit allen wichtigen Angaben sowie eine daumengrosse Metallplakette mit einer eingravierten Nummer. «Dieser ID-Chip ist entscheidend für die Nachverfolgbarkeit, er bleibt immer beim Tier», sagt Sager. Vor der Kremation überprüfen und bestätigen die Mitarbeitenden, dass die Chip-Nummer mit der Nummer auf dem Begleitzettel übereinstimmt.


Verbrannt, gemahlen, verpackt
Zusammen mit dem Chip kommt das Tier in den über 800 Grad heissen Ofen. Bei einer Katze dauert der Kremationsvorgang eine knappe Stunde, bei einem grösseren Tier länger. Übrig bleiben der Metallchip und mineralische Knochenbestandteile. Diese werden in einem Metallbecken ausgekühlt und danach gemahlen. Auf einem Tisch neben dem Mahlwerk liegen ein halbes Dutzend Säckchen voller Asche, manche grösser, manche kleiner. Ein besonders kleiner Beutel enthält nur wenige Gramm Asche – sie stammen von einer Maus namens Toffie, wie Esther Sager vom Begleitschein abliest.
Zu jedem Säckchen gehört der ID-Chip. Daneben steht jeweils entweder eine Urne oder ein Holzkistchen. Das Tierkrematorium bietet eine ganze Auswahl an Urnen unterschiedlicher Formen, Farben und Materialien an. Esther Sager zeigt auf ein Armband mit einem runden Anhänger, der sich öffnen und mit ein wenig Asche befüllen lässt. Wer will, kann so einen Teil seines verstorbenen Tiers stets bei sich tragen. «Solche Schmuckurnen liegen im Trend», sagt sie.
Im «Päckliraum» werden die Urnen schliesslich zum Versand bereit gemacht. Auch hier sind Stil und Sorgfalt die obersten Gebote: Die Urnen und die Bestätigungspapiere werden schön verpackt – nicht ohne vorher noch einmal den Namen des verstorbenen Tiers überprüft zu haben. «Das ist wichtig», sagt Esther Sager. «Ein falscher Name macht den Anschein, als hätten wir die Asche eines falschen Tiers geschickt.»
Gemeinschaftsgrab im Garten
Nicht alle Kund:innen wollen die Asche ihres Haustiers erhalten. Sie entscheiden sich für eine Sammelkremation, bei der mehrere Tiere gemeinsam eingeäschert werden. Die gemischte Asche wird in zwei im Boden eingelassenen Urnen im Garten des Krematoriums aufbewahrt. Dieses Gemeinschaftsgrab ist öffentlich zugänglich – und ein farbenfroher, emotionaler Ort. Viele Halter:innen haben die Gelegenheit genutzt und die zugehörige Trockenmauer mit Fotos, bemalten Steinen oder Halsbändern dekoriert.
Setzt einem die tägliche Arbeit mit Tod und Trauer nicht zu? Natürlich gebe es schwierige Momente, sagt Esther Sager. «Aber wir erfahren sehr viel Dankbarkeit.» Etwas vom Schönsten sei für sie, die Veränderung im Gesicht von Kund:innen zu beobachten: «Wenn sie hereinkommen, lese ich darin Trauer, Anspannung und Verunsicherung. Wenn sie gehen, machen sie einen gelösten Eindruck.» Es sind Menschen, die wissen: Ihr Tier ist für seine allerletzte Reise in guten Händen.

