Kleiner Kater, grosses Glück
Manchmal sind es die Kleinsten, die den grössten Lebenswillen zeigen. Als ProTier vom verletzten Kater Sony erfuhr, war sofort klar, dass ihm schnellstmöglich geholfen werden muss. Die Geschichte einer schwierigen Rettung, die zeigt, warum jedes Leben zählt. Julia Brosi berichtet.
Der Anfang
Als wir Sony das erste Mal sahen, war er eine von vielen heimatlosen Katzen in einem Schrebergarten in Zürich. Und doch fiel er auf mit seinem kurzen Schwanz und der einzigartigen Fellmusterung: weiss mit wenigen auffälligen roten Punkten. Und Sony war etwas weniger scheu als die anderen Katzen im Schrebergarten: Er traute sich ein Stück näher an die Menschen heran, gewöhnt an die liebevollen Gartenpächter, die ihn manchmal sogar berühren dürfen.
Im Winter 2024/2025 starteten wir von ProTier in dem Schrebergarten eine grosse Kastrationsaktion. Über 25 Katzen konnten wir kastrieren, um weiteres Elend zu verhindern. Auch Sony wurde eingefangen, kastriert und mit einem kleinen Ohrenschnitt markiert – das Zeichen dafür, dass er nun kein weiteres Leid in Form ungewollter Kitten verbreitet. Für uns war das Kapitel damit abgeschlossen. Dachten wir.
Verletzt und verschollen

Ende Juni aber der Schock. Ich bekam eine Whatsapp-Nachricht von einem Gartenpächter, der sich hingebungsvoll um die heimatlosen Katzen kümmert: «Sony hinkt und hat starke Schmerzen!» Mein Herz rutschte kurz in die Hose. Streunerkatzen sind oft bereits länger verletzt, bis es jemand bemerkt. Ich fuhr so schnell wie möglich zum Schrebergarten und suchte Sony. Doch der hatte sich bereits aus dem Staub gemacht. Es gab nur eins: Kamera und Futter aufstellen, um Sony anzulocken.
Tage vergingen, ohne dass wir ihn sahen. Nur ein Fuchs und ein Igel kamen und liessen sich die Pouletstückchen schmecken, die eigentlich für Sony gedacht war. Auch meine Runden vor Ort brachten nichts. So schwand unsere Hoffnung, Sony zu finden und es setzte langsam die Angst ein, dass er sich zum Sterben zurückgezogen hatte. Doch dann der Hoffnungsschimmer: Nach vielen langen Tagen tauchte Sony wieder auf und verköstigte sich an einem seiner Fressplätze. Doch er hinkte noch immer – wir wussten, wir mussten handeln.
Eine schwierige Operation
Dank der Hilfe einer wundervollen Freundin der Tierschutzorganisation NetAP konnten wir eine grosse Lebendfalle aufstellen, die sich vom Handy aus aktivieren lässt. Nach tagelangem Bangen, leerem Akku und einer tollen Zusammenarbeit mit dem Gartenpächter, dem Sony so sehr vertraut, war es dann geschafft: Sony war in Sicherheit.
Wir brachten ihn zu Mira, der Inhaberin des Vet Zentrums Zürich Letzigrund, die uns kurzfristig einen Termin ermöglichte und Sony sofort untersuchen liess. Dann der Schock: Luxation im Femurkopf, Kreuzbandriss vorne und hinten, schwere Weichteilverletzungen, diverse Hämatome und blutiger Urin. Verletzungen, die viel Schmerzen und ohne Operation das Todesurteil bedeutet hätten.
Trotzdem war für uns klar: Einschläfen kommt nicht infrage. Sony soll leben! Doch es bedeutete eine aufwändige Operation, die ProTier mehrere Tausend Franken kostete – obwohl uns das Vet Zentrum Zürich Letzigrund einen äusserst grosszügigen Rabatt gewährte. Nach der Operation durfte Sony auf eine wunderbare erfahrene Pflegestelle, wo er wochenlang liebevoll betreut wurde.

Wieder daheim
Es war nicht leicht – Sony litt in der Quarantäne, ist er doch ein verwilderter Kater, der den Kontakt zu Menschen meidet und das Leben im Haus nicht kennt. Er war gestresst, einsam, frustriert. Doch er gab nicht auf und hielt es bis kurz nach dem 1. August durch. Danach brachten wir ihn zurück in den Schrebergarten. Kurz erstarrte er, als wir das Transportböxli öffneten. Dann huschte er, sichtlich erleichtert, hinaus in die Freiheit.
Und wie geht es Sony heute? Der zierliche Kater ist dort, wo er sich wohlfühlt. Er wird gefüttert, darf sich frei bewegen, seine Muskeln aufbauen und wieder mit seinen Freunden um die Gartenhäuschen ziehen. Er steht mit seiner Geschichte repräsentativ für die heimatlosen Katzen in der Schweiz. Darum ist er auch unser neuer Botschafter, welcher regelmässig zum Thema heimatlose Katzen berichtet.
Hoffnung für heimatlose Katzen

Sonys Geschichte ist nur eine von vielen. In der Schweiz leben zehntausende heimatlose Katzen – unkastriert, verletzt, krank, unsichtbar für die meisten Menschen. ProTier setzt sich seit über 40 Jahren mit anderen Organisationen wie NetAP für die Kastration solcher Tiere ein. Mit unserer neuen Kampagne «Hoffnung für heimatlose Katzen» gehen wir im Jahr 2026 einen Schritt weiter. Unser Ziel:
✔ Aufbau eines Netzwerks engagierter Organisationen
✔ Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit
✔ Bereitstellung von Kastrationsgutscheinen für Landwirte
✔ Informationskampagnen für Schrebergärten und Industrieareale
✔ Ausbau unseres Fonds «Heimatlose Katzen» für nachhaltige Hilfe
Helfen Sie mit, damit Geschichten wie die von Sony kein Einzelfall bleiben. Ihre Spende zählt und wird vollumfänglich eingesetzt, um das Leid der Streunerkatzen in der Schweiz zu vermindern und heimatlosen Katzen Hoffnung zu geben.

