ProTier - Stiftung für Tierschutz und Ethik
ProTier
Alfred Escher-Str. 17
8002 Zürich
Tel. 044 201 25 03

PC-Konto 60-455782-5
IBAN: CH41 0900 0000 6045 5782 5

Hilfe für Bärenwaisen

 
 
„Leidenschaft, Träume und gute Geister brachten mich vor drei Jahren zum ersten Mal in die Sichote Alin Bergkette. Während meinem ersten Besuch in Khabarovsk bei der Wildlife Conservation Society lernte ich, durch ein Amur Tiger Projekt, Sergey Kolchin kennen. Er hat bereits vor vier Jahren drei verwaiste Schwarzbären im fernen Osten Russlands erfolgreich ausgewildert. Sergey besucht seit Jahren Dr. Pazhetnov und andere Experten auf diesem Feld. Er nimmt an Konferenzen teil und hat bereits verschiedene wissenschaftliche Berichte verfasst. 2012 hat Sergey mit meiner Hilfe dieses Projekt im Durmin Tal, mit limitierten Finanzen, angefangen. Über den letzten Sommer hinweg hatte er neun Bärenjunge aufgenommen und ausgewildert.

Unser gemeinsames Ziel ist es nun, in der Durmin-Region in Russland die erste Auffangstation für verwaiste Jungbären zu erstellen. Wir werden, durch Jagd und Wilderei, verwaiste Asiatische Schwarz- und Ussurische Braunbärenjunge aufnehmen, rehabilitieren und auswildern. Gleichzeitig planen wir durch Aufklärung (Vorträge, Dokfilme, Medienberichte, wissenschaftliche Arbeiten etc.) einen Rückgang der Wilderei und eine generell höhere Wertschätzung der Natur zu erzielen. Als Alternative zur Wilderei möchten wir zudem das vorhandene Potential eines sanften Ökotourismus aufzeigen.


Jagd auf Bärenmütter
Die sogenannte “den-hunt” (Höhlenjagd) ist in Russland weit verbreitet. Mitten im Winter und mit Hunden werden die besetzten Bärenverstecke ausfindig gemacht. Die Mütter werden von den Hunden aus ihren Höhlen getrieben und von den Jägern erschossen. Das Ziel dieser Jagd ist entweder der Bär als Trophäe oder die Bärengalle und andere Körperteile, für die auf dem Schwarzmarkt der Traditionellen Chinesischen Medizin viel Geld bezahlt wird. Zurück bleiben zahllose, verwaiste Jungbären. Ohne unser Projekt sind sie dem Tod geweiht. Alleine auf sich gestellt, haben sie ohne ihre Mutter keinerlei Überlebenschancen. Die Zoos sind hoffnungslos überfüllt und sind für die Bären keine Lösung, weil eine artgerechte Haltung dort nicht möglich ist.


Das Projekt in Durmin
Die verwaisten Jungbären werden jeweils im Winter/Frühling von Staatsangestellten, von Waldarbeitern oder von den Jägern selbst gefunden und aufgenommen und schliesslich zu unserem Projekt-Basislager ins Durmin-Tal gebracht. Dort halten wir sie, fernab von Menschen, auf einem Areal, welches zum Schutz vor Tigern und anderen Bären, mit einem Elektrozaun eingezäunt ist. Ab Mai, wenn die erste Nahrung in der Taiga spriest, unternehmen wir mit den kleinen Bären tägliche Wanderungen in die Wälder, um sie an ihr neues zu Hause und natürliches Habitat zu gewöhnen. Da die Jungbären später in eine bejagte Population ausgewildert werden, wenden wir eine “Hands-off” Methodik an. Das heisst, dass der menschliche Kontakt zu den Waisen bei einem absoluten Minimum bleiben wird. Nur Sergey und ich haben Zugang zu unseren Schützlingen.
Sie zu berühren und mit ihnen zu sprechen ist tabu. Sie sollen sich unter keinen Umständen an den Menschen gewöhnen. Diese Methodik entstand durch die Erfahrung verschiedener Experten und wird auch stark von Dr. Pazhetnov beeinflusst, dem erfahrenen russischen “Bärenvater“, der bereits unzählige Jungbären auf diese Weise erfolgreich wieder ausgewildert hat. Die Befürchtungen von Kritikern, dass die Tiere durch den täglichen Kontakt zum Menschen die Scheu verlieren und dadurch das Konfliktpotential steigt, können wir aus Erfahrung widerlegen. Unsere Methodik ist eine Mischung aus verschiedenen Taktiken und wurde von Sergey vor vier Jahren bei seinem Auswilderungsprojekt mit drei Asiatischen Schwarzbären, erfolgreich getestet. Es ist von enormer Wichtigkeit erfolgreiche Auswilderungsmethoden zu entwickeln und vorzuzeigen. Je nach Art, Individuum und letztlich auch abhängig von den äusseren Bedingungen werden die Jungen entweder im Herbst ausgewildert oder, nach einer begleiteten Winterruhe (anstelle der Mutterbärin bauen wir für sie Höhlen) im darauf folgenden Frühling, der Freiheit und Wildnis übergeben – dann sind sie endlich wieder dort, wo sie hingehören.“